”Verbrechen sind niemals wirklich einzigartig!“

Lydia Benecke berichtet am 1. April um 19.30 Uhr in der Stadthalle „stern“ in Ihrem aktuellen Programm über „Die Psychologie des Bösen“.


elbgeflüster®: Ihre Tour heißt „Die Psychologie des Bösen“. Da stellt sich zunächst die grundsätzliche Frage, wo die Grenze zu „böse“ ist?
Lydia Benecke: „Das Böse“ ist zunächst eine Bewertung. Inhaltlich ist damit häufig gemeint: Handlungen, die aus egozentrischen Motiven begangen werden und einen Schaden für andere willentlich in Kauf nehmen. Das Ausmaß des Schadens sowie die Egozentrik der handelnden Person werden hierbei häufig als Grundlage für das empfundene Ausmaß des „Bösen“ genutzt.

elbgeflüster®: Steckt „das Böse“ in jedem von uns?
Lydia Benecke: In meinem Buch „Auf dünnem Eis – Die Psychologie des Bösen“ habe ich ethische Gedankenexperimente genutzt, um zu zeigen, wie kompliziert in Wirklichkeit das Konzept vom „Bösen“ ist und dass kein Mensch ausschließlich „gute“ oder „böse“ Eigenschaften hat. Manche Menschen haben nur mehr Persönlichkeitseigenschaften, aufgrund derer es ihnen leichter als anderen fällt, unsoziale Verhaltensweisen zu zeigen. Wenn beispielsweise ein Mensch weder Angst, Mitgefühl noch Schuldgefühl empfindet, erleichtert ihm dies ungemein, sich unsozial zu verhalten. Er hat eben die gefühlsmäßigen Kosten nicht, die Menschen normalerweise haben – weil wir Menschen schon immer in Gruppen zusammenlebten und es für ein soziales Miteinander wichtig ist, solche „Gefühlsbremsen“ zu haben. Das bedeutet aber auch, dass wir uns häufig deshalb sozial Verhalten, weil wir die Kosten von Angst vor negativen Konsequenzen und einem schlechten Gewissen nicht wollen. Wenn diese Gefühle plötzlich weg wären, würden wir es dann nicht deutlich einfach haben, häufiger egozentrisch und unsozial zu handeln? Solche und ähnliche Fragen sind das eigentlich faszinierende an der wissenschaftlichen Betrachtung des „Bösen“.

elbgeflüster®: Haben Sie bei der Arbeit mit Straftätern keine Angst?
Lydia Benecke: Nein, auch wenn ich häufig danach gefragt werde. Es ist so, wie keine Angst beim Autofahren zu haben – das statistisch gesehen deutlich gefährlicher ist als mein Job. Jeder weiß, dass es Menschen gibt, die bei Autounfällen sterben und schwer verletzt werden. Trotzdem haben Menschen für gewöhnlich keine Angst beim und keine vermehrten Alpträume über das Autofahren. Die statistische Betrachtung von Risiken ist ohnehin sowohl ein wesentlicher Teil meines Jobs als auch ein persönliches Interessengebiet von mir. Da ich in Köln wohne, bin ich mir beispielsweise im Klaren darüber, dass ich theoretisch jederzeit im Schlaf von meinem Haus erschlagen werden könnte – was Menschen beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 passiert ist -, aber es ist halt sehr unwahrscheinlich und deshalb habe ich auch keine Angst in meinem Haus.

elbgeflüster®: Was ist für Sie das Faszinierendste an Ihrem Job?
Lydia Benecke: Der Wissenszuwachs auf diesem Gebiet ist in den letzten hundert Jahren extrem angestiegen, die internationale Vernetzung der Forschung ist ein riesiger Gewinn, um immer schneller und effektiver Wissen auszutauschen. Besonders faszinierend ist hierbei, dass Verbrechen niemals wirklich einzigartig sind. Man findet immer – häufig auch in unterschiedlichen Zeiten und Kulturen – ähnliche Prinzipien, die ähnliche Verbrechen auslösen. Weil mich dieses ganze Themenfeld wissenschaftlich schon seit bald drei Jahrzehnten interessiert, befasse ich mich auch außerhalb meiner Berufstätigkeit viel damit. Auf Autofahrten höre ich mir Berichte über internationale Fälle an, Zuhause lese ich die aktuelle Forschungsliteratur – es ist halt mein privates und berufliches Interessengebiet.

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Wir verlosen unter allen Teilnehmern 1 x 2 Freikarten.

Mitmachen ist denkbar einfach: Schicken Sie eine E-Mail mit dem Betreff „Lydia Benecke“ sowie Ihre Kontaktdaten an: gewinnspiel (at) elbgefluester.de oder senden Sie eine Postkarte mit dem Stichwort „Lydia Benecke Reuter“ an Elbgeflüster, Goethestr. 81, 01587 Riesa. Bitte eine Telefonnummer nicht vergessen. Einsendeschluss: 22.03.22. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Foto: Manfred Esser

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