„Das Fehlen des Live-Erlebnisses ist das Allerschwerste.“

Der erfolgreiche Musiker Nico Santos hat gerade seinen gleichnamiges Album veröffentlicht und versucht nun die Zwangspause kreativ zu nutzen.


Elbgeflüster: Wie nutzen Sie in der Corona-Krise die Zeit des Wartens?
Nico Santos: Ich hatte eigentlich vor, 2021 Urlaub zu machen. Das habe ich jetzt vorgezogen, aber natürlich ist das ein anderer Urlaub als ich ihn mir vorgestellt habe. Ich habe jetzt sehr viel Zeit, die ich auch für Musik nutze.

Elbgeflüster: Sind Sie ein geduldiger Mensch?
Nico Santos: Kommt drauf an. Beim Puzzeln bin ich nicht geduldig. Aber was den Shutdown angeht, wird das seine Zeit brauchen. Leider. Für meine Band ist es besonders schlimm. Ich kann ja wenigstens Songs schreiben und veröffentlichen. Ich habe auch Zeit, Videos zu drehen. Aber meine Band kann momentan nicht spielen. Kein Künstler kann auftreten, es gibt weder Theater noch Hochzeiten.

Elbgeflüster: Verbringen Sie jetzt viel Zeit mit sich selbst?
Nico Santos: Sehr viel. Ich bin zuhause und spiele viel Klavier. Ich bin kreativ und habe Spaß daran.

Elbgeflüster: Wir leben im Zeitalter des Streamings. Heutzutage dominieren Einzelsongs und mehr oder weniger kunstvoll zusammengestellte Playlists. Warum machen Sie da noch so etwas Altmodisches wie ein Album?
Nico Santos: Ich schreibe anders als viele deutsche Künstler. Ich frage mich immer, was ich gerne von mir hören würde. Auf meinem neuen Album „Nico Santos“ sind Songs mit 80er-Jahre-Anleihen. Einer beginnt mit einem Bass-Lauf, einer hat eine Acht-Akkord-Reihenfolge. Es gibt ein Schlaflied, das meine Mutter mir immer vorgesungen hat und bei dem ich am Ende auf Spanisch singe. Einmal spielt mein Papa Saxofon. Solche Songs werden keine Singles. Ohne dieses Album würden sie niemals das Licht der Welt erblicken.

Elbgeflüster: Die Songs des Albums klingen stilistisch vielfältig. Legen Sie Wert darauf, dass Ihre Handschrift in Texten und Musik immer deutlich erkennbar ist?
Nico Santos: Das entwickelt sich von alleine, ohne dass es von mir gewollt ist. Je mehr man schreibt, desto besser weiß man, worin man gut ist oder was man selbst von sich hören will. Ich mag ganz viele verschiedene Genres. Mein Papa war Jazzmusiker und meine Mama Gitarristin in einer Frauen-Grunge-Band. So vielfältig wie ich aufgewachsen bin, möchte ich Musik machen. Michael Jackson hat auch ganz viele verschiedene Stile kombiniert.

Elbgeflüster: Auf welche Weise hat Michael Jackson Sie geprägt?
Nico Santos: Ich habe mir musikalisch und gesanglich einiges bei ihm abgeguckt. Seitdem hat es kein anderer geschafft, über so lange Zeit so krasse Musik abzuliefern. Für mich ist es verrückt zu sehen, dass Songs von Jackson, die 1991 rausgekommen sind, immer noch aktuell klingen. Das hat in den 90ern kaum jemand geschafft. Auch wie er seine Songs abgemischt hat, ist eine Kunst.

Elbgeflüster: Jedes Jahrzehnt hat seinen spezifischen Sound. Wie klingen die 20er Jahre des neuen Jahrtausends?
Nico Santos: Das wird sich erst noch herausstellen, aber ich glaube, dass die typischen Sounds der 80er und 90er immer wieder zurückkehren werden – gepaart mit dem Klang des neuen Jahrzehnts.

Elbgeflüster: Wie gehen Sie mit Lebenskrisen um?
Nico Santos: Weil ich die Musik habe, ist es für mich relativ einfach, damit fertig zu werden. Das ist wie eine Therapiestunde. Wenn ich mich ans Klavier setze, habe ich das Gefühl, mit mir selbst zu sprechen, ohne mir dabei dumm vorzukommen. Man sagt quasi das, was man einer anderen Person sagen würde.

Elbgeflüster: Fällt es Ihnen sehr schwer, auf Live-Auftritte zu verzichten?
Nico Santos: Das ist für uns Künstler das allerschwerste. Als ich mit Max Giesinger vor kurzem in Kapstadt war, hieß es, unsere Tourneen würden wahrscheinlich verschoben werden. Bis dahin war das für uns undenkbar. Eine Tour verschiebt man sonst nur, wenn man krank ist. Dass einmal eine Pandemie über uns kommt, hätte ich mir nie erträumen lassen.

Elbgeflüster: Gewöhnt man sich an die neue Situation schnell?
Nico Santos: Ich habe gerade ein neues Video hochgeladen. Ganz viele Kommentare lauteten: Du hältst den Mindestabstand nicht ein! Das Video ist vor zwei Monaten entstanden, da gab es noch gar keine Einschränkungen. Da wieder rauszukommen, dürfte schwer werden.

Elbgeflüster: Sie haben eine Zeit lang gekellnert. Welche anderen Jobs hatten Sie vor Ihrer Karriere?
Nico Santos: Ich war Animateur in Robinson Clubs. Da habe ich auch schon gesungen. Ich war damals 17 ½ und habe nach einem ersten Sommerjob gesucht. Ich wusste gar nicht, dass Robinson Club ein deutsches Unternehmen ist. Lustigerweise war es eine der besten Sachen, die mir passieren konnte, weil ich dadurch nach Köln gezogen bin. Ich habe dabei viel gelernt.

Elbgeflüster: Sie wirken in der neuen Staffel der beliebten TV-Show „Sing meinen Song“ mit. Hat Sie jemand bei dieser Sendung besonders überrascht?
Nico Santos: Ich kannte Max Giesinger und Lea schon vor der Sendung sehr gut, deswegen wusste ich ungefähr, was ich erwarten konnte. Obwohl sie in der Show auch ganz viele neue Seiten von sich zeigen. Am wenigsten vorstellen konnte ich mir Jan Plewka, den Sänger der Band Selig. Er hat mich dann aber am meisten überrascht. Seine Art, Songs zu performen, ist anders als alles, was ich jemals zuvor gesehen habe. Es war super spannend, mitzuerleben, wie er in der Show bekannte Songs auf seine Weise singt oder neu arrangiert.

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Mitmachen ist denkbar einfach: Schicken Sie eine E-Mail mit dem Betreff „Nico Santos“ sowie Ihre Kontaktdaten an: gewinnspiel (at) elbgefluester.de oder senden Sie eine Postkarte mit dem Stichwort „Nico Santos“ an Elbgeflüster, Goethestr. 81, 01587 Riesa. Bitte eine Telefonnummer nicht vergessen. Einsendeschluss: 17.06.20. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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