Knurren, nach vorne springen, beißen, viele Menschen kennen aggressives Verhalten bei Hunden.
Warum entsteht es? Es gibt verschiedene Ursachen für Aggressionen. Bekannt ist das Verteidigen von Ressourcen, z.B. Futter. Ein Hund benagt einen Knochen. Natürlich gehört der Knochen ihm. Jemand nähert sich ihm. Die Befürchtung wächst, dass der Knochen ihm weggenommen wird. Folge: der Hund droht.
Weitere Ressourcen sind: Spielzeug, Schlafplätze, Aufmerksamkeit der Besitzer zum Beispiel.
Territoriale Aggression ist ebenfalls recht bekannt. Es ist heute weniger populär einen Hund zu halten, der auf Haus und Hof aufpasst. In anderen Ländern ist das noch häufiger erwünscht.
Mütterliche Aggression sind für viele nachvollziehbar. Ich selbst war einmal sehr gekränkt, als meine Hündin Welpen hatte und ich die erstmal nicht anfassen durfte. Ich habe ihr dann in Entfernung Futter hingestellt und dann konnte ich mich ihnen nähern.
Aggressionen aufgrund organischer Erkrankungen sind möglich und auch als Nebenwirkungen von Medikamenten. Schmerzen begünstigen aggressives Verhalten. Umkehraggressionen sind nicht so bekannt. Meine eigenen Hunde waren territorial. Als Scoopy im Garten war, bellte sie einen Hund auf der Straße an. Sie war frustriert hinter dem Zaun. Plötzlich drehte sie sich um und sprang auf ihre Mutter, die hinter ihr stand. Die Mutter nahm es nicht persönlich und hielt dann einfach mehr Abstand.
Bei aggressivem Verhalten ist Angst, Furcht einer der Auslöser. Hunde fürchten um ihre körperliche Unversehrtheit, verteidigen Ressourcen, damit ihnen nichts weggenommen wird. Wenn ein Hund Haus und Hof verteidigt, dann tut er dies, weil sich bedroht fühlt.
Wut, Angst und Frustration sind starke Emotionen, die handlungsanleitend sind. Sie begünstigen Aggressionen. Stress, insbesondere chronischer Stress lässt Aggressionen wahrscheinlicher werden.
Wichtig zu wissen: Was macht es mit den Menschen? Angst vor Aggressionen sind durchaus berechtigt. Hunde können beißen. Es gibt Menschen, die sich herausgefordert fühlen und einen Machtkampf beginnen.
Auch unsere Gefühle sind handlungsanleitend. Schauen Sie bei Aggressionen auf die Körpersprache Ihres Hundes. Setzen Sie bewusst deeskalierende Körpersprache ein. Überlegen Sie warum es so weit gekommen ist. Ziehen Sie einen kompetenten Trainier hinzu.
Eine Anamnese ist zwingend vorauszusetzen: Genetik/ Epigenetik- Erfahrung des Hundes. Daraus ergibt sich die Diagnosestellung und Risikobeurteilung.
Ein kompetentes Training fußt auf Alternativverhalten, Management und Aufbau einer sicheren Beziehung von Mensch und Hund.
Es gibt keinen Grund für Strafen. Die machen alles nur noch schlimmer. Vielleicht können erwachsene Personen Hunde so einschüchtern, dass Emotionen gehemmt werden. Spätestens Kinder oder Menschen, die das nicht tun möchten oder können, werden dann zu Opfern. Keine Option ist es den Hund in die erlernte Hilflosigkeit zu bringen. Sie ist eine Form der Traumafolgestörung.
Jeden Tag geben uns unsere Hunde neue Chancen im Zusammenleben. Wenn wir sie erkennen, ist der Weg für ein schönes Zusammenleben frei.
Hundefachwirtin IHK Julia Kolb
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