„Die Humorszene wird unterlaufen von freudlosen Figuren!“

Die Kabarettistin Lisa Eckhart gastiert mit ihrem Programm „Die Vorteile des Lasters – ungenierte Sonderausgabe“ am 24. November um 20.00 Uhr in der Stadthalle „stern“.


elbgeflüster®: Sie leben aktuell in Leipzig – eine sehr gute Wahl! Fühlen Sie sich in der sächsischen Metropole wohl?
Lisa Eckhart: Sehr. Sollte ich je die Stadt verlassen, dann einzig für Paris. Ich weiß, es gibt böse Vorurteile über Leipzig. Dass es so hip sei und studentisch. Aber das stimmt nicht. Hier lässt es sich fabelhaft leben.

elbgeflüster®: Ihr aktuelles Programm „Die Vorteile des Lasters“ präsentieren Sie in Riesa als „ungenierte Sonderausgabe“. Was bedeutet das?
Lisa Eckhart: Die Vorteile des Lasters sind jetzt eingebettet ins aktuelle Zeitgeschehen. Plus ein paar pikante Anekdoten aus dem Lockdown. Und ich trage ein neues Outfit. Denn das Auge denkt ja bekanntlich mit.

elbgeflüster®: Ihre Kunstfigur kam in Konflikt mit der „Cancel Culture“. Wie bewerten Sie diese politische Bewegung?
Lisa Eckhart: Diese Bewegung politisch zu nennen wäre wohl zu viel der Ehre. Was da in manchen Menschen wütet, ist das reine Ressentiment. Ihre eigene kreative Unfruchtbarkeit weckt in ihnen eine Zerstörungswut, der die politische Meinung egal ist. In der heutigen Zeit kann man sie zum Glück belächeln und mit der Hand verscheuchen wie Mücken. In einem totalitären Regime aber wären diese Leute brandgefährlich.

elbgeflüster®: Jung-Komikerin Maria Clara Groppler „witzelte“, dass zur Entnazifizierung von Chemnitz notfalls der Einsatz von Napalmbomben nötig sei – ohne größere Konsequenzen. Sie wurden wegen Ihres satirischen Beitrags „Die heilige Kuh“ aus Sicherheitsbedenken einmal ausgeladen. Wer legt fest, was Satire darf und was nicht?
Lisa Eckhart: Das ist ein schönes Beispiel, aber weiß Gott nicht das Ärgste. Die Humorszene wird unterlaufen von freudlosen Figuren, die versuchen die Satire von innen zu zerstören. Die geizen nicht mit Menschenfeindlichkeit, aber dafür sehr mit Pointen. Betroffene Erklärbaren und biedere Gören, die ihren Zuschauern noch kein einziges Lachen entlockten, sondern höchstens ein überhebliches Grinsen.

elbgeflüster®: Leben Komödianten durch die lebhaften Diskussionen über latenten Rassismus und kulturelle Aneignung heutzutage „gefährlicher“?
Lisa Eckhart: Humor genießt kein hohes Ansehen. Wir sind entweder Brandstifter oder Einfaltspinsel. Es scheint manchen ein Bedürfnis, Humoristen zu schaden. Wenn deren Witze nichts Verleumdendes hergeben, dann wühlt man eben im Privatleben. Ich möchte mich nicht beschweren. Ich wünschte lediglich, man würde nicht nur den Humor verbieten, sondern auch die Musik. Die Dschihadisten sind da schon weiter.

elbgeflüster®: Reagieren Österreicher anders auf Ihr bisweilen provokantes Programm als das deutsche Publikum?
Lisa Eckhart: Die Österreicher merken, dass ich mich mehr mit Deutschland befasse als mit meiner alten Heimat. Manche nehmen mir das übel, andere finden es spitze, und ein paar wenige glauben eh, dass wir beide noch immer ein Land seien. Grundsätzlich aber gibt es keine Unterschiede. Der Graben verläuft heute zwischen jenen, die über die Welt lachen wollen, und jenen, die unter ihr leiden wollen. Es gibt bald nur mehr Lachende und Leidende – ungeachtet ihrer Herkunft.

elbgeflüster®: Sie sind eine ausgezeichnete Kabarettistin und Romanautorin. Sie wollten auch Schauspielerin werden. Sind diese Ambitionen noch vorhanden?
Lisa Eckhart: Nein, grundgütiger! Das war eine Verzweiflungstat mich an den Schauspielschulen zu bewerben. Eher noch würde ich Fremde meine Texte sprechen lassen als selbst Fremdtexte zu sprechen. Vielleicht später… Ich habe gehört, an den Theatern gibt es noch sexuelle Übergriffe. Wenn ich nicht mehr knusprig bin, könnte mir das durchaus gefallen.

elbgeflüster®: Was Sie definitiv von fast allen Kabarettisten unterscheidet, ist Ihre schillernde, beinahe divenhafte Inszenierung. Wie darf man Sie sich privat vorstellen?
Lisa Eckhart: Am besten gar nicht. Fragen Sie nur meine Familie. Die sagen auch, ich sei auf Bühne besser als daheim. Eloquenter, schöner, sauberer.

elbgeflüster®: Sie sind vergangenes Jahr Mutter geworden. Was hat sich dadurch am stärksten für Sie verändert?
Lisa Eckhart: Das Schönste am Muttersein: Ich habe weniger Zeit für mich selbst. Das wird einem heute so eingeredet, wie wichtig das doch sei. Mich hat Zeit mit mir selbst nur unglücklich und krank gemacht oder – am schlimmsten – sogar gelangweilt. Heute gibt es nur mehr Arbeit und Familie. Mein Selbst habe ich mir ausgetrieben wie ein Exorzist.

elbgeflüster®: Schenken Sie uns zum Abschluss bitte noch eine Lebensweisheit.
Lisa Eckhart: Nicht ärgern lassen.

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Wir verlosen unter allen Teilnehmern 1 x 2 Freikarten.

Mitmachen ist denkbar einfach: Schicken Sie eine E-Mail mit dem Betreff „Lisa Eckhart“ sowie Ihre Kontaktdaten an: gewinnspiel (at) elbgefluester.de oder senden Sie eine Postkarte mit dem Stichwort „Lisa Eckhart“ an Elbgeflüster, Goethestr. 81, 01587 Riesa. Bitte eine Telefonnummer nicht vergessen. Einsendeschluss: 18.11.22. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Foto: Peter W. Czernich für Marquis Magazine

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