Interview mit Mark Forster

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„Die Ära des Musikfernsehens hat mich geprägt!“

Der beliebte Songwriter spielt am 26. Juni um 20 Uhr Open Air bei den Filmnächten am Elbufer Dresden.


elbgeflüster®: Sie tragen Ihr Haar neuerdings grau. Das galt in der Popmusikbranche lange als Tabu. Möchten Sie damit ein Statement abgeben?
Mark Forster: Nein, mir wäre es lieber, ich hätte keine grauen Haare. Aber ich finde das Statement, die grauen Haare zu färben, schlechter als das Statement, sie einfach zu zeigen. Es gibt in meinem Alter auch Leute, die noch nicht so viele graue Haare haben wie ich, aber ich habe sie nun mal. An der Seite mache ich sie sogar ganz kurz, das sieht schnittiger aus. Ich hätte schon lieber sattes schwarzes, wallendes Haar. Viele Leute, die den Übergang nicht mitbekommen haben, sind überrascht, wie grau ich geworden bin. Aber es ist kein gesellschaftliches Statement.

elbgeflüster®: Wie würden Sie Ihr momentanes Lebensgefühl beschreiben? Und möchten Sie es gern auf Ihre Konzerte übertragen?
Mark Forster: Wahrscheinlich. Ich bin total gehypt, was die Konzerte betrifft. Wir sind zu siebt auf der Bühne und haben fast keinen Zuspieler, was selten ist. Viele große Acts spielen mittlerweile Halb- oder Vollplayback. Wir hingegen spielen alles live mit einer brutal guten Band. Es wird wie immer eine fette Bühne und eine tolle Show werden, aber der Fokus liegt auf dem gemeinsamen Spielen. Ich fühle mich frei und betreibe Mikromanagement, was meine Veröffentlichungen, Social Media, Videos, Fotos und Konzerte betrifft. Viele Dinge, die mir früher gar nicht so wichtig waren, sind mir jetzt wichtig.

elbgeflüster®: Musik ist für junge Menschen immer eines der wichtigsten Dinge in ihrem Leben gewesen – und stets hochemotional besetzt. Wie steht es heute um die Musikleidenschaft der internetaffinen Jugendlichen?
Mark Forster: Erst einmal wird TikTok nicht nur von jungen Leuten genutzt. Sie sind dort nur präsenter und lauter. Je älter man wird, desto stiller und zurückhaltender wird man im Netz im besten Falle. Das Verhältnis zu Musik befindet sich eh in einem Dauerwandel. Schon die frühen Beatles haben in den Abbey Road-Studios innerhalb einer Woche zweieinhalb Minuten lange Songs geschrieben und produziert. Das war eher Track-Business. Sie haben auch viel gecovert, alte Songs recyclet und verändert. Solche Dinge passieren heute wieder, wenn Doechii zum Beispiel den alten Gotye-Song „Somebody that I used to know“ mit einem anderen Text wieder zu einem Hit macht. Was man heute als jüngerer Mensch cool findet, ist nicht nur abhängig davon, was man hört oder fühlt, sondern auch von Klick-Zahlen.

elbgeflüster®: Welche Ära der Popmusik hat Sie geprägt?
Mark Forster: Die Ära des Musikfernsehens, also VIVA und MTV. Aus heutiger Sicht keine uninteressante Zeit. Die Sachen, die damals im Radio groß waren und die, die im Musikfernsehen groß waren, sind oft unterschiedlich gewesen. Die etwas cooleren und jüngeren Sachen liefen in der Superrotation bei MTV, Kinderpopmusik lief in der Rotation bei VIVA und die großen Stars, die bei „Wetten, dass…“ auftraten, waren sehr erfolgreich im Radio. Hier und da hat sich das vermischt. Das ist gar nicht so weit weg von heute. Man hat immer noch das Radio und Künstler, die groß sind auf Instagram oder TikTok, was unterschiedliche Kanäle sind wie VIVA und MTV. Es gibt heute einfach sehr viel mehr Musik, und die Schlagzahl ist total hoch. Man hat kaum noch Zeit, sich vertraut zu machen mit einem Album oder einem Song, weil man schon das nächste Ding um die Ohren gepfeffert kriegt. Dadurch habe ich als Fan Stress.

elbgeflüster®: Hat das Musikmachen einen therapeutischen Effekt?
Mark Forster: Auf jeden Fall. Irgendeinen Knacks muss man haben, wenn man sich ständig auf eine Bühne stellt oder sich immer wieder vor ein weißes Blatt Papier setzt und versucht, immer wieder von vorn ein Lied zu schreiben. Ich hatte das Glück, schon einige geschrieben zu haben, die andere gut finden. Ich muss es also nicht mehr beweisen, aber ich mache es trotzdem, und zwar ständig. Das hat nichts mit Geld oder Ego zu tun, es ist eher eine Notwendigkeit.

elbgeflüster®: Das Schreiben könnte man sich heutzutage auch leicht machen und KI bitten, einen Song zu kreieren. Auch die menschliche Stimme kann mittlerweile künstlich verformt werden und in einem anderen Glanz strahlen. Haben Sie mit KI schon herumexperimentiert?
Mark Forster: Ja natürlich, schon seit langem. Es gibt inzwischen Tools, die sehr nützlich sind. Den Automaten, wo man reinsagt, mach mir ein Lied, was ich mag, habe ich aber noch nicht gesehen. Ich sehe aber schon beeindruckende und wertvolle Dinge, was KI betrifft. Alle sagen, dass KI sehr schnell wahnwitzig besser wird. Das kann ich mir schon vorstellen, aber bis jetzt hat mich noch nichts von dem überzeugt, was ich gehört habe.

elbgeflüster®: Das Klischee lautet, Künstler seien organisatorisch eine Katastrophe. Hilft Ihr Beruf auch, den Alltag zu bewältigen?
Mark Forster: Ich bin organisatorich keine Katastrophe. Ich bin jemand, der sich vielleicht ein bisschen zu viel auf den Teller packt und hier und da den Überblick verliert. Aber ich bin nicht jemand, der den Teller vergisst.

Karten gibt es bei www.ticketmaster.de und www.eventim.de

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