Interview mit Tony Bauer

„Ich wollte immer ein kleines Licht am Ende des Tunnels sein“

Am 27. September kommt der Komödiant Tony Bauer mit seinem ersten Soloprogramm „Fallschirmspringer“ um 20.00 Uhr in die Schauburg Dresden.


elbgeflüster®: Tony, du bist noch ein ziemlicher Newcomer. Ist das tatsächlich dein erstes Mal in Dresden? Tony Bauer: Tatsächlich. Ich war noch nie in Dresden. Ich wollte schon viel häufiger dort spielen, weil es dort auch coole Comedy-Formate und Comedy-Preise gibt. Jetzt bin ich endlich da und freue mich sehr darauf. Ich komme wahrscheinlich sogar einen Tag früher, damit ich mir die Stadt anschauen kann.

elbgeflüster®: Das solltest du unbedingt tun. Bleiben wir gleich beim „ersten Mal“: Weißt du noch, wann du zum ersten Mal auf einer Bühne standest und dachtest: Okay, das ist mein Ding? Tony Bauer: Mein erster richtiger Comedy-Auftritt war im November 2021, als Corona gerade langsam zu Ende ging. Das war in einer Kneipe in Bremen. Ich glaube, ich war damals ganz gut, ich hatte auf jeden Fall viele Lacher. Wenn ich heute mit dem Wissen darauf schauen würde, das ich mittlerweile habe, würde ich wahrscheinlich sagen: Das war richtig scheiße. (lacht) Aber damals hat mich das total angefixt. Nach dem Auftritt habe ich tatsächlich sofort meinen Job gekündigt, bin nicht mehr zur Uni gegangen und habe alles auf eine Karte gesetzt.

elbgeflüster®: Hat offenbar funktioniert. Dein erstes Soloprogramm trägt den ungewöhnlichen Titel „Fallschirmspringer“. Woher kommt der? Tony Bauer: Der Titel ist eine Hommage an meinen damaligen Chirurgen. Ich habe ja einen Zugang im Körper, über den ich mit Nährstoffen versorgt werde. Dieser Zugang war zunächst am Hals und wurde später in die Brust gelegt, wo er heute noch ist. Weil die Nährstoffe dem Körper langsam zugefügt werden, habe ich die Beutel immer in einem Rucksack bei mir.. Nach der Operation kam mein Chirurg zu mir und sagte: „Tony, du bist jetzt ein Fallschirmspringer. Du musst richtig gut darauf aufpassen. Das ist das Wichtigste, was du hast.“ Dieser Satz ist mir geblieben. Ich hoffe, dass er irgendwann sieht, was daraus geworden ist und weiß, dass er ein Leben verändert hat. Zu meinen Shows kommen auch viele kranke Kinder und deren Eltern. Und wenn sie den Titel hören und ich vielleicht auch ein oder zwei Leben verändern kann, wäre das großartig.

elbgeflüster®: Humor spielt in deinem Umgang mit dem Kurzdarmsyndrom eine große Rolle. War die Fähigkeit, auch über schwierige Dinge zu lachen, schon immer da? Tony Bauer: Ich habe in meinen schwierigen Phasen immer versucht, dass die Menschen um mich herum kein so schweres Herz haben, wenn sie mich sehen. Dafür habe ich Humor benutzt und manchmal auch vorgegaukelt, dass es mir gut geht. Und wenn ich gemerkt habe, dass die anderen wegen mir nicht mehr traurig sind, ging es mir tatsächlich selbst ein bisschen besser. Ich sage immer: Ich liebe es, wenn Leute lachen. Ich mache viel Comedy, damit die Leute nicht weinen – und ich mache eine ganze Entertainment-Show, damit ich selbst nicht weine. Das ist eine ziemlich coole Mischung. Das Publikum fühlt, was ich fühle, und wir haben zusammen einen Riesenspaß.

elbgeflüster®: Kommen auch Menschen mit anderen Erkrankungen auf dich zu und erzählen dir, dass ihnen deine Geschichte Mut macht? Tony Bauer: Klar. In meine Shows kommen unterschiedliche Menschen. Ich glaube, ich habe ein sehr diverses Publikum. Jeder, der sich bei mir wohlfühlt und kommen möchte, ist herzlich eingeladen. Natürlich sind darunter auch viele Menschen, die selbst krank sind und mir anschließend sagen, dass ich ihnen ein bisschen Hoffnung oder Motivation gegeben habe. Und ehrlich gesagt war genau das immer mein Ziel. Ich wollte ein kleines Licht am Ende des Tunnels sein und zeigen: Egal, welche Karten dir das Leben gibt – du kannst trotzdem versuchen, dein Leben so zu spielen, als hättest du vier Asse auf der Hand.

elbgeflüster®: Du bist täglich auf intravenöse Nährstoffversorgung angewiesen. Wie kann man sich das praktisch vorstellen? Tony Bauer: Ich habe einen dauerhaft implantierten Katheter in der Brust, der in eine große Vene führt. Die Nährstoffversorgung läuft über einen Rucksack. Dadurch bin ich aber mobil, ich kann mich damit bewegen und auch laufen. Meistens läuft das Ganze über Nacht. Dann steht der Rucksack einfach neben meinem Bett. Natürlich gehört das zu meinem Alltag, aber ich kann damit ziemlich normal leben.

elbgeflüster®: Mit „Let’s Dance“ hast du plötzlich ein Millionenpublikum erreicht. Auf einmal erkennen dich Menschen auf der Straße und möchten Fotos mit dir machen. Was hat das mit dir gemacht? Tony Bauer: Komischerweise hat es sich für mich irgendwie richtig angefühlt. Es war gar nicht so ein riesiger Schock. Mein bester Freund Hassan hat früher schon im Krankenhaus zu mir gesagt: „Du bist ein Star. Änder dich niemals. Wenn du berühmt bist, musst du genauso bleiben.“ Und irgendwann kam es tatsächlich dazu, dass Menschen mich erkennen und nach Fotos fragen. Ich genieße das, weil es irgendwie genau das ist, was ich immer machen wollte. Ich wollte zeigen, dass man trotz eines Schicksalsschlags zu etwas Großem berufen sein kann. „Let’s Dance“ hat auch mein Bild von Entertainment verändert. Dort habe ich gemerkt, dass man eine ganze Show machen kann und sich nicht nur auf eine Sache beschränken muss. Man kann den Leuten alles geben und präsentieren. Wenn etwas von Herzen kommt, erreicht es auch andere Herzen.

elbgeflüster®: Mit größerer Bekanntheit kommen allerdings nicht nur Fans. Wie gehst du mit Hatern und Trollen um? Tony Bauer: Man muss sich ziemlich schnell ein dickes Fell aneignen. Und verstehen, dass mit wachsender Relevanz auch mehr Menschen kommen, die einen nicht gut finden. Ich glaube sogar, dass das dazugehört. Mir ist lieber, 40 Prozent finden mich super, 40 Prozent ist es egal und 20 Prozent finden mich scheiße, als wenn 100 Prozent sagen: Der interessiert mich überhaupt nicht. Es ist sowieso unmöglich, dass alle einen cool finden. Wenn du versuchst, jedem zu gefallen, machst du irgendwann nicht mehr das, was du machen willst, sondern nur noch das, was die Leute hören wollen.

elbgeflüster®: Humor ist sehr persönlich. Wie viel von dem Tony Bauer auf der Bühne ist auch der private Tony – und wann beginnt die Kunstfigur? Tony Bauer: Ich glaube, ich habe das Glück, dass ich auf der Bühne schon ziemlich so bin, wie ich wirklich bin. Natürlich ist alles etwas größer, weil man auf einer Bühne eine andere Präsenz braucht. Aber privat bin ich auch laut, hibbelig und schnell. Dieses Witzigsein ist einfach ein Stück weit in mir. Gleichzeitig liebe ich die Kunst dahinter: Dinge auszudenken, Texte zu schreiben, Geschichten in ein Korsett zu packen, über rote Fäden, Dynamik und Erzählweisen nachzudenken. Das ist eine schöne Mischung. Und ich kann den Leuten versichern: Alles, was ich auf der Bühne erzähle, ist im Kern wirklich passiert. Natürlich überspitzt man manche Dinge für die Bühne, aber die Geschichten sind wahr.

elbgeflüster®: Du haust dabei auch gern mal einen raus. Gerade Senioren bekommen bei dir durchaus ihr Fett weg. Wo liegen deine humoristischen Grenzen? Tony Bauer: Ich glaube erst einmal, dass man alles sagen darf. Aber man muss natürlich auch damit klarkommen, wenn Gegenwind kommt. Was ich niemals machen würde, ist etwas wirklich Böswilliges zu sagen. Alles kommt bei mir aus dem Herzen. Gerade für Senioren habe ich ein riesiges Herz, weil ich meinen Oppa so sehr liebe. Ich würde nie etwas Bösartiges über alte Menschen sagen. Bevor ich einen solchen Witz mache, teste ich ihn sogar bei meinen Großeltern und frage, ob es für sie okay ist. Ich möchte nicht einfach schocken oder jemanden verletzen. Ich möchte Menschen unterhalten und ihnen das geben, was ich selbst witzig finde.

elbgeflüster®: Dann kommt zum Schluss die schwierigste Frage: Schenk unseren Lesern bitte noch eine Lebensweisheit. Tony Bauer: Ich glaube, für jeden Menschen kann das Leben manchmal ziemlich schwierig sein. Und dann hat man schnell das Gefühl, dass man allein damit ist. Aber man ist nie allein. Versucht, eure Emotionen, eure Gefühle und eure Energie in etwas zu stecken, das ihr gerne macht. Kreiert etwas, macht etwas Kreatives – ganz egal was. Ihr könnt schreiben, malen oder etwas ganz anderes machen. Versucht, eure Emotionen zu nehmen und daraus Energie zu machen. Und wir alle sollten versuchen, jeden Tag ein kleines bisschen besser zu sein.

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Mitmachen ist denkbar einfach: Schicken Sie eine E-Mail mit dem Betreff „Tony Bauer“ sowie Ihre Kontaktdaten an: gewinnspiel (at) elbgefluester.de oder senden Sie eine Postkarte mit dem Stichwort „Tony Bauer“ an Elbgeflüster, Goethestr. 81, 01587 Riesa. Bitte Ihre Telefonnummer nicht vergessen. Einsendeschluss: 20.09.26. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Foto: Max Kopp

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